virtuelle Endoskopie
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Virtuelle Endoskopie

Was wir von Ihnen wissen müssen

Was ist eine virtuelle Endokopie?

Die virtuelle Endoskopie versteht sich als 3D-Rekonstruktionsverfahren, das einen endoskopischen Bildeindruck vermittelt. Zunächst müssen adäquate Schwellenwerte gesetzt werden, die auf die innere Oberfläche eines interessierenden Lumens abgestimmt sind, wie z.B. Bronchien, Nasennebenhöhlen, Gefäße oder Magen-Darm-Trakt.. Der endoskopische Effekt entsteht durch die perspektivische Bearbeitung eines Weges durch das Datenvolumen, intraluminale Veränderungen sind somit „endoskopisch“ beurteilbar.

Navigation durch das Datenvolumen

Der Anwender verändert interaktiv Ort, Blickwinkel und Bildausschnitt seines virtuellen Endoskopes. Ideale Blickwinkel kommen dem realen endoskopischen Bild nahe und liegen bei 60 bis 90°.

Die Orientierung erfolgt sowohl an der multiplanaren Rekonstruktion als auch am virtuellen endoskopischen Bild selbst. Manche Systeme ermöglichen neben der interaktiven Navigation  die Voreinstellung eines „Fluchtweges“ durch das Organsystem oder einen sogenannten Autopfad, bei dem die Software immer automatisch den Mittelpunkt des durchflogenen Datenvolumens sucht..

Die Erstellung des endoskopischen Blickes wird durch solche Softwartools immer weniger aufwendig und zeitraubend, aufgrund der immer dünneren Schichtführung und höheren Auflösung wächst jedoch das Datenvolumen und damit der Zeitaufwand zur Befundung. Der virtuelle Flug wird häufig sowohl vorwärts als auch rückwärts vollzogen, um Veränderungen, die sich z.B. hinter Darmfalten verbergen, nicht zu übersehen. Moderne Softwaretools erlauben sogar das virtuelle Aufschneiden des Darmes und Aufklappen der Darmwand, bei dem die Darmwand dann planar abgebildet wird und so in direkter Draufsicht beurteilt werden kann.

Was kann beurteilt werden?

Prinzipiell läßt sich eine virtuelle Endoskopie durch jeden Hohlraum des Körpers erstellen: ob lufthaltige Räume, wie Nasennebenhöhlen oder Innenohr, Magen, Dünn- oder Dickdarm, oder flüssigkeitsgefülte Räume, wie Arterien oder Venen.

Die virtuelle Koloskopie ist die derzeit verbreitetste virtuelle endoskopische Technik . Sie ist Teil der CT-Kolonografie und findet mehr und mehr Akzeptanz in der Diagnostik von Kolonerkrankungen und zum Nachweis von Zweitläsionen beim manifesten Kolonkarzinom. Derzeit setzt sich diese Methode mit verbesserter Technologie durchaus als Diagnoseverfahren im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung durch, nicht zuletzt da eine höhere Sensitivität zum Nachweis kleiner Polypen im Gegensatz zum einfachen transaxialen Schnittbildverfahren besteht. Leider besteht sowohl seitens der Fachgesellschaften und auch seitens der ärztlichen Selbstverwaltung Uneinigkeit darüber, inwieweit eine Strahlendiagnsotik im Rahmen der Vorsorge ohne gesetzliche Vorgaben (wie z.B. beim Mammografie- Screening) legitim ist. Andererseits diskutieren bereits viele Krankenkassen darüber, dieses Verfahren in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen.
Nachteil ist natürlich die fehlende Möglichkeit einer Gewebeentnahme, so daß bei unklaren Befunden (größere Polypen etc.) die Videoendoskopie unumgänglich ist. Andererseits ermöglicht die Methode auch einen Blick außerhalb des Darmes - da im Datensatz ja immer die üblichen CT-Schnitte anfallen, können so auch Veränderungen im Darmgekröse, Bauchraum oder in den parenchymatösen Organen (Leber, Milz, Niere etc.) erfaßt werden.
In jedem Fall stellt diese Methode ein sehr gutes Screening-Verfahren dar, daß dem Patienten die häufig mit Unbehagen betrachtete diagnostische Endoskopie erspart.

Die virtuelle Bronchoskopie ist in der klinischen Praxis derzeit noch von untergeordneter Bedeutung, da sich die meisten Fragestellungen durch die ”normale” CT beantworten lassen. Im  Zuge der Mehrschicht-CT kommt der Methode durch ihren Vergrößerungseffekt eine Bedeutung zu, da kleinere polypoide Protrusionen in das Lumen der Bronchien oder Lymphknoten, die die Bronchialwand an der Bifurkation eindellen, besser nachweisbar sind – Zeichen, die übrigens in der konventionellen Bronchoskopie als Indiz für Bösartigkeit gelten.

Die virtuelle Zystoskopie kann potentiell kleine polypenartige Läsionen der Harnblasenwand identifizieren, vor allem in Regionen, die das echte Zystoskop nicht erreicht. Die Methode verlangt eine suffiziente Füllung der Harnblase mit Kontrastmittel oder Luft.

Mittels virtueller Angioskopien ist derzeit keine relevanter Informationsgewinn im Vergleich zu den anderen Angiografietechniken gegeben. Einzige Indikation wäre die Darstellung von Stentsim Verhältnis zu eingeschlossenen Gefäßabgängen.

Eine virtuelle Cholangioskopie, virtuelle Gastroskopie, virtuelle Enteroskopie oder Endoskopie anderer Organe ist zwar machbar, bietet letztlich nur geringen diagnostischen Gewinn im Vergleich zu weniger komplexen Bildbearbeitungsmethoden, möglicherweise wird sich jedoch die Gastroskopie (Magendarstellung) in der Zukunft weiter durchsetzen..

 

 

Im folgenden wird das Procedere einer virtuellen Koloskopie beschrieben:

1. Vorbereitung:

Grundvoraussetzung der einwandfreien Beurteilung der Darmwand ist ein sauberer Darm, die Abführprozedur bleibt dem Patienten also auch bei der virtuellen Koloskopie nicht erspart.
Wir verwenden entweder Prepacol® oder Fleeth®  zur Darmreinigung. Die Substanzen werden am Mittag und Abend vor der Untersuchung zusammen mit einer geringen Menge jodhaltigen Kontrastmittels eingenommen. Letzteres hat die Aufgabe, verbliebene Stuhlreste anzufärben, damit diese nicht mit Polypen oder Tumoren im Darmlumen verwechselt werden können.

 

2. Untersuchungsdurchführung:

Nach sorgfältiger Aufklärung und Krankheitsanamnese wird zunächst die Darmperistaltik durch die intravenöse Gabe von Buscopan® ausgeschaltet und der Darm somit weitgestellt. Über ein Rectalkatheter werden etwa 2 Liter Luft (manche Einrichtungen geben auch Kohlendioxid) insuffliert. Danach erfolgt die eigentliche CT- Untersuchung als Dünnschicht-Spirale (i.d.R. 1,5 mm Schichtdicke) über den ganzen Bauch. Mitunter wird eine zweite Serie in Bauchlage angefertigt, wenn sich bestimmte Darmabschnitte in Rückenlage nicht vollständig entfaltet haben, oder es wird zusätzlich noch ein Kontrastmittel intravenös gegeben, um Veränderungen an der Darmwand oder im Darmgekröse besser sichtbar zu machen.

 

3. Beurteilung:

Die Bilderstellung und Beurteilung ist der aufwendigste Abschnitt der gesamten Untersuchung. Zunächst wird der “Pfad” durch den Darm erstellt, an dessen Leitlinie die dreidimensionale Rekonstruktion des Darmlumens erfolgt. Wie bereits oben beschrieben wird der Dickdarm in verschiedenen Richtungen virtuell durchfahren, werden einzelne Abschnitte, die zunächst suspekt erscheinen, noch einmal nachrekonstruiert oder mit den konventionellen Schnittbildern, die natürlich immer als Datensatz mit abfallen, verglichen. Auch ein geübter Radiologie verbringt so gut und gerne mehr als eine halbe Stunde am Rechner.

 

 

 

 

 

 

Die virtuelle Koloskopie stellt derzeit keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen dar, die Erstattung der Kosten muß daher im Einzelfall immer mit der Kasse ausgehandelt werden.

 

 

Sog. unfolding (Aufklappen des Darmes) mit 4mm großem Polypen

Der virtuelle Flug durch den Dickdarm